Interpunktionszeichen sind klein und doch wirkmächtig. Umso überraschender ist es, wie wenig bisher darüber bekannt ist, wann kompetente Schreiberinnen und Schreiber diese Zeichen tatsächlich verwenden und welche Funktionen sie dabei übernehmen. Diese Forschungslücke wird hier geschlossen, indem erstmals eine gebrauchsbasierte Analyse der zwölf Interpunktionszeichen vorgenommen und die beobachtete Variation linguistisch beschrieben wird.

Ihr zugrunde liegt eine Sammlung von über 1.500 Abiturklausuren, die seit dem 2. Weltkrieg geschrieben wurden. Auf dieser Basis werden auch historische Wandelprozesse im Gebrauch nachgezeichnet. Die so gewonnenen Erkenntnisse sind relevant einerseits für die linguistische Beschreibung von Interpunktion, andererseits haben sie sprachdidaktische Implikationen – gilt Orthographie und damit auch ‚korrekte‘ Interpunktion doch als eines der wichtigsten, wenn nicht als das wichtigste schulische Bildungsziel.