Ein Jahrhundert nach seiner letzten Einzelausstellung und acht Jahrzehnte nach seinem Tod wird das vollständige Werk von Marian Ruzamski wiederentdeckt: Bilder voller melancholischer Leichtigkeit wie aus einer Sommerfrische stehen dem Blick in das grausamste Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts gegenüber.

Marian Ruzamski, geboren in einer jüdisch-polnischen Familie und aufgewachsen in Galizien, war ein preisgekrönter Absolvent der Krakauer Kunstakademie. Kritiker feierten seine Ausstellungen und sprachen davon, dass die Besucher und Besucherinnen in Gemälde-Symphonien eintauchten. Nach ersten Erfolgen in Warschau, Krakau, Lemberg und Prag zog er sich mit nicht einmal 40 Jahren in die Provinz zurück.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde er nach Auschwitz deportiert. Er starb 1945 im Lager Bergen-Belsen. Ruzamski hat in der Hölle Kunstwerke von großer innerer Freiheit geschaffen. Seine „Auschwitz-Mappe“ überliefert Geschichte nicht in bloßen Fakten, sondern in Gefühlen. Sie macht das Unsagbare sichtbar – und verbindet uns mit dem, was bleibt.