Im Rahmen des Bauernkriegsjubiläums 2025 wurde auf einer Tagung in Stolberg ein Phänomen in den Blick genommen, das bei der Beschäftigung mit Müntzer und anderen „radikalen Reformatoren“ selten beachtet wird: die „Verketzerung“ dieser Gruppierungen durch die Wittenberger Reformatoren. Luther und Melanchthon lenkten die Berichterstattung über Müntzer sowie über die Täufer bewusst so, dass das rigide Vorgehen gegen die Aufständischen aus religiöser Perspektive gerechtfertigt wurde. In einem epochenübergreifenden Zuschnitt wird der Mechanismus der Verketzerungen untersucht, angefangen mit der „Erfindung“ der Katharer im 13. Jahrhundert. Den Schwerpunkt bildet der mitteldeutsche Raum im Spätmittelalter und im 16. Jahrhundert.