Symbole begegnen dem Forscher auf allen Kulturgebieten; in der Religion und der Kunst so gut wie im Rechts- und Staatsleben. Unser Denken und Sprechen, Handeln und Gestalten geht mit Hilfe von Symbolen vor sich; die kostbarsten und unzerstörbarsten Güter, die das Menschengeschlecht besitzt, sind Symbole oder symbolisch ausgedrückte Werte. Diese Tatsache entging den Gelehrten der letzten Generationen oder, wenn sie sie zugeben mußten, erkannten sie nicht ihre Bedeutung. Sie standen im Banne des Glaubens, daß wohl die unreifen und kulturarmen Völker symbolisch dächten und lebten, daß aber die Kulturmenschheit der symbolischen Auffassung mehr und mehr entwachsen sei. Die Forscher entlehnten diese falsche Meinung den kritischen Zeitströmungen, die sich gegen den Symbolbesitz der überlieferten Religion und dessen kirchliche Dogmatisierung richteten. Auf diese Zeit der Kritik ist heute eine Zeit des Aufbaues gefolgt; die Menschen fühlen in wachsendem Maße den Mangel an Symbolen als eine geistige Verarmung; sie suchen alte Symbole zu beleben oder neue zu finden. Dadurch wird die Forschung angeregt, die älteren Symbolschätze des Menschengeschlechts eifriger als bisher zu studieren, ihren Ursprung, ihre Geschichte, ihren Zusammenhang durch die Zeiten und Völker aufzudecken und den Sinn jener merkwürdigen Gebilde des menschlichen Geistes, die das Glück von Millionen ausgemacht haben und auch weiterhin ausmachen werden, zu erklären. Infolgedessen hat in den letzten Jahrzehnten eine rege Symbolforschung eingesetzt. [Aus der »Einleitung«]